Neubrandenburg ist eine Stadt mit planmäßigem Grundriss – nach dem großen Brand von 1737 fast vollständig neu aufgebaut, mit der Wallanlage als prägendem Ring. Unter dieser historischen Oberfläche liegen eiszeitliche Sande und Geschiebemergel, die der Tollensesee-Gletscher hier abgelagert hat. Was auf den ersten Blick tragfähig wirkt, wird bei einem Blick auf die Grundwasserverhältnisse und die regionale Seismizität schnell komplex: Die sandigen, locker gelagerten Schichten in Flussnähe und entlang der ehemaligen Schmelzwasserrinnen neigen unter dynamischer Last zur Verflüssigung. Eine Bodenverflüssigungsanalyse ist hier kein akademischer Exkurs, sondern eine nüchterne Notwendigkeit, bevor Sie in die Tiefe gehen. In unserer Laborroutine kombinieren wir dafür klassische Sondierungen mit zyklischen Triaxialversuchen, um das Restrisiko für Ihr Bauvorhaben realistisch einzugrenzen – zum Beispiel bei Projekten im Entwicklungsgebiet um den Datzeberg oder nahe der Oberbach-Niederung. Wer hier auf eine Korngrößenanalyse verzichtet, übersieht leicht die entscheidende Ungleichförmigkeitszahl der Sandfraktion, die das Verflüssigungspotenzial maßgeblich steuert.
Verflüssigung tritt nicht nur in Erdbebengebieten der Stärke 7 auf – schon moderate Magnituden können in locker gelagerten, wassergesättigten Sanden zu einem vollständigen Tragfähigkeitsverlust führen.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Die DIN EN 1998-5, Abschnitt 4.1.4, verlangt für Bauwerke der Bedeutungskategorie III und IV zwingend eine Überprüfung des Baugrunds auf Verflüssigungsanfälligkeit. In Neubrandenburg mag die Seismizität auf den ersten Blick moderat erscheinen, aber die Kombination aus geringer Grundwasserspiegeltiefe und holozänen Flusssanden entlang der Tollense macht die Sache brisant. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Auch die historische Bebauung steht teils auf anthropogenen Auffüllungen, deren Setzungs- und Verflüssigungsverhalten schwer vorhersagbar ist. Bodenverflüssigungsanalyse bedeutet hier nicht nur die Berechnung eines Sicherheitsfaktors, sondern eine bohrlochbegleitende Beweissicherung. Wir dokumentieren jede Wechsellagerung, jede tonige Linse, jede organische Beimengung, weil genau diese Details im Schadensfall den Unterschied zwischen kontrollierter Verformung und plötzlichem Grundbruch ausmachen. Das Risiko ignorieren? Wäre fahrlässig, wenn schon eine Bagatelluntersuchung Klarheit schafft.
Normativer Rahmen
DIN EN 1998-1/NA:2011-01 – Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben, Nationaler Anhang, DIN EN 1998-5:2010-12 – Gründungen, Stützbauwerke und geotechnische Aspekte, DIN EN ISO 17892-4 – Bestimmung der Korngrößenverteilung, DIN 4094 – Baugrunderkundung; Rammsondierungen
Verwandte Dienstleistungen
Kombinierte Feld- und Laboranalyse
Wir führen die Sondierung durch (DPH oder CPT), entnehmen gestörte und ungestörte Proben, bestimmen die Zustandsgrenzen und fahren zyklische Triaxialversuche. Das Ergebnis ist ein standortspezifisches Verflüssigungspotenzial, dargestellt als CSR-Kurve über die Tiefe.
Numerische Verflüssigungsbewertung
Auf Basis der Felddaten berechnen wir den Sicherheitsfaktor gegen Verflüssigung nach dem vereinfachten Verfahren von Seed & Idriss, angepasst an die regionalen Beschleunigungswerte. Bei Bedarf modellieren wir auch die zu erwartenden Setzungen infolge Porenwasserüberdruck. Mehr Info.
