In Neubrandenburg sehen wir bei der Bemessung tiefer Baugruben immer wieder, dass die oberflächennahen Geschiebemergel der Grundmoräne zwar steif wirken, aber eingelagerte Sandlinsen und Schmelzwassersande die Standsicherheit innerhalb weniger Meter völlig verändern können. Die Stadt liegt auf einer Höhe von etwa 15 bis 20 Metern über NHN in einer flachen bis welligen Grundmoränenlandschaft, durchzogen von der Tollense und dem Tollensesee. Diese quartären Ablagerungen, geprägt durch die Weichsel-Kaltzeit, verlangen eine Bemessung, die nicht nur die Grenzzustände GZ 1 und GZ 2 nach DIN EN 1997-1:2014-03 inklusive nationalem Anhang DIN 1054:2010-12 abdeckt, sondern auch den Baugrubenzustand vor Ort realistisch abbildet. In der Praxis kombinieren wir die Analyse des Erdruhedrucks und des aktiven Erddrucks oft mit einem vorgeschalteten CPT-Versuch, um die Feinschichtung in den Beckenschluffen der Tollenseniederung präzise zu erfassen, bevor wir die Einbindetiefe oder den Aussteifungsgrad festlegen.
Ein Geschiebemergel mit cu,k von 150 kN/m² kann bei unentdeckter Sandlinse innerhalb einer Stunde in einen hydraulischen Grundbruch übergehen – die lokale Feinschichtung bestimmt die Versagensart.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Der häufigste Fehler in Neubrandenburg ist die Annahme eines homogenen Baugrundmodells auf Basis von nur zwei Bohrungen, weil der Geschiebemergel auf dem ersten Blick standfest erscheint. In der Vier-Tore-Stadt mit ihren knapp 64.000 Einwohnern und der dichten innerstädtischen Bebauung entlang der mittelalterlichen Wallanlagen unterschätzen Planer oft, dass die Schichtgrenzen zwischen Mergel und Schmelzwassersand auf kürzester Distanz um mehrere Meter springen können. Ein nicht sachgerecht bemessener Verbau führt dann schnell zu einem lokalen Versagen der Baugrubensohle durch Aufbruch, wenn der Porenwasserdruck in einer Sandlinse die effektive Spannung reduziert. Wir bestehen deshalb vor jeder Bemessung auf einer lückenlosen Erkundung der Schichtgrenzen, idealerweise ergänzt durch Drucksondierungen und eine in-situ Durchlässigkeitsmessung, um den Bemessungswasserstand und die Filterstabilität im Bereich der Baugrubensohle korrekt anzusetzen.
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln), DIN 1054:2010-12 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1), DIN 4123:2013-04 (Ausschachtungen, Gründungen und Unterfangungen im Bereich bestehender Gebäude), EAB – Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“ der DGGT, 5. Auflage 2012
Verwandte Dienstleistungen
Verbaubemessung und statische Nachweise
Aufstellung der charakteristischen und design-relevanten Bodenkennwerte, Festlegung des Bemessungswasserstands, Ermittlung der Erddrucklastbilder mit und ohne Stützkraftumlagerung, Standsicherheitsnachweise für Trägerbohlwände, Spundwände, Bohrpfahlwände und Schlitzwände nach EAB. Einschließlich Nachweis der Vertikaltragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit.
Hydraulische und konstruktive Bemessung
Nachweis gegen hydraulischen Grundbruch und Aufschwimmen nach DIN EN 1997-1 Abschnitt 10, Bemessung von Grundwasserhaltungen und Restwasserabsenkungen, Dimensionierung von Unterwasserbetonsohlen sowie Beurteilung der Filterstabilität des anstehenden Bodens im Bereich von Entspannungsbohrungen.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Was kostet die geotechnische Bemessung einer tiefen Baugrube in Neubrandenburg?
Der Aufwand für die Bemessung einer tiefen Baugrube in Neubrandenburg liegt je nach Komplexität und Tiefe zwischen €1.980 und €8.610. Einfache Verbauten mit Trägerbohlwänden und einer Aushubtiefe bis 5 m liegen im unteren Bereich, während vollständig ausgesteifte oder rückverankerte Systeme mit mehreren Nachweisverfahren und Grundwassermanagement das obere Kostensegment erreichen.
Welche Bodenkennwerte sind für die Bemessung in den quartären Schichten Neubrandenburgs typisch?
Im neubrandenburger Raum arbeiten wir im Geschiebemergel mit undränierten Kohäsionen cu,k zwischen 100 und 250 kN/m² und effektiven Reibungswinkeln φ'k um 27,5° bis 32,5°. Die Schmelzwassersande weisen Reibungswinkel von 32,5° bis 37,5° auf, während die Beckenschluffe der Tollense-Niederung oft nur cu,k-Werte von 10 bis 30 kN/m² erreichen. Entscheidend ist die korrekte Erkundung der Wechsellagerung, da die kf-Werte der Sande mit 1x10⁻⁴ m/s eine wirksame Wasserhaltung erfordern.
Welche Normen sind für die Bemessung tiefer Baugruben in Deutschland verbindlich?
Die Bemessung erfolgt nach DIN EN 1997-1:2014-03 in Verbindung mit dem nationalen Anhang DIN 1054:2010-12. Für die Baugrubenkonstruktion selbst sind die Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben (EAB, 5. Auflage) maßgebend. Bei Bauen im Einflussbereich bestehender Gebäude ist zusätzlich DIN 4123:2013-04 zu beachten.
