Zwischen dem sandigen Untergrund im Lindetal und dem dichten Geschiebemergel der Brodaer Höhe liegen in Neubrandenburg oft nur wenige hundert Meter – aber geotechnisch betrachtet Welten. Wer hier ein Einfamilienhaus, eine Halle oder ein Mehrfamilienhaus plant, braucht eine Flachgründungsbemessung, die diese kleinräumigen Wechsel exakt abbildet. Die quartären Ablagerungen der Weichsel-Kaltzeit haben in der Vier-Tore-Stadt eine enorme Spannweite: von locker gelagerten Talsanden über steifen Mergel bis hin zu organischen Weichschichten in den Niederungen des Tollensesees. Unser Team untersucht den Baugrund in Neubrandenburg mit Direktaufschlüssen und Drucksondierungen, bevor wir die zulässige Sohlspannung nach EC 7-1 und DIN 1054 festlegen. So vermeiden wir böse Überraschungen bei der Bewehrungsabnahme und halten die Setzungen im prognostizierten Rahmen.
Ein Meter Geschiebemergel kann in Neubrandenburg zehnmal mehr Last abtragen als ein Meter Talsand derselben Mächtigkeit – die Gründungstiefe entscheidet über die Wirtschaftlichkeit des gesamten Rohbaus.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Der Wiederaufbau Neubrandenburgs nach 1945 hat das Stadtbild geprägt – viele Flächen im Zentrum wurden mit Trümmerschutt und umgelagerten Böden aufgefüllt. Diese anthropogenen Auffüllungen sind der Klassiker unter den Baugrundrisiken in der Region. Sie liegen oft direkt unter dem Oberboden, sind chaotisch zusammengesetzt und setzen sich ungleichmäßig. Für eine wirtschaftliche Flachgründungsbemessung müssen wir diese Schicht entweder durchörtern oder gegen verdichtetes Polstermaterial austauschen. In den Tollense-Niederungen kommt ein zweiter Risikofaktor hinzu: organogene Weichschichten mit Breikonsistenz, die schon bei geringer Zusatzlast kriechen. Ein klassisches Beispiel ist der Datzeberg, wo wir bei mehreren Projekten erst ab 2,5 m Tiefe tragfähigen Mergel angetroffen haben. Ohne vorherige CPT-Sondierung und gestörte Probenahme aus dem Übergangsbereich ist eine sichere Bemessung der Gründungspolster hier nicht möglich – die Tragfähigkeit schwankt auf engstem Raum um bis zu 40 Prozent.
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN 18134:2012-04 (Baugrund – Versuche und Versuchsgeräte – Plattendruckversuch), DIN 4094-3:2002-01 (Baugrund – Felduntersuchungen – Rammsondierungen)
Verwandte Dienstleistungen
Geotechnischer Bericht mit Flachgründungsbemessung
Erarbeitung von Gründungsempfehlungen für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Gewerbebauten und landwirtschaftliche Hallen. Enthält Sohlspannungsnachweise, Setzungsberechnungen nach dem Steifemodul-Verfahren und Angaben zur Bewehrung der Bodenplatte gemäß EC 2 und EC 7.
Baugrundaufschlüsse und Laboranalytik
Durchführung von Rammkernsondierungen und schweren Rammsondierungen (DPH-15) mit Probenahme. Bestimmung der Bodenklassifikation nach DIN 18196, Korngrößenverteilung, Konsistenzgrenzen und Scherfestigkeit im Labor – zugeschnitten auf die typischen Böden Neubrandenburgs.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Was kostet eine Flachgründungsbemessung für ein Einfamilienhaus in Neubrandenburg?
Für ein typisches Einfamilienhaus mit Bodenplatte und Streifenfundamenten liegt der Aufwand für Baugrunderkundung, Laborversuche und den geotechnischen Bericht mit Flachgründungsbemessung in Neubrandenburg zwischen 1.880 € und 2.460 €. Der Preis variiert mit der Anzahl der Aufschlüsse, der Gründungstiefe und dem Umfang der erforderlichen Setzungsberechnung.
Warum ist der Baugrund in Neubrandenburg so unterschiedlich?
Neubrandenburg liegt in der Jungmoränenlandschaft der Weichsel-Kaltzeit. Die Gletscher haben hier Geschiebemergel, Sande und Beckenschluffe in engem räumlichem Wechsel abgelagert. Später haben die Tollense und ihre Nebenflüsse Täler eingeschnitten und mit Auelehm verfüllt. Diese geologische Geschichte führt dazu, dass sich die Tragfähigkeit des Baugrunds schon auf kurze Distanz drastisch ändern kann – ein Phänomen, das man ohne gezielte Erkundung nicht erfassen kann.
Muss ich in Neubrandenburg eine Bodenplatte immer auf gewachsenem Boden gründen?
Nicht zwingend. In vielen Fällen – besonders in den sandigen oder lehmigen Niederungen – ersetzen wir den Oberboden und die obersten Dezimeter des Untergrunds durch ein verdichtetes Mineralgemisch. Entscheidend ist, dass die Dicke des Polsters in der Flachgründungsbemessung so dimensioniert wird, dass der Lastausbreitungswinkel die Sohlspannung unterhalb des Austauschs auf das zulässige Maß reduziert. Bei organischen Böden mit weniger als 80 kN/m² Tragfähigkeit ist ein vollständiger Austausch oder eine Pfahlgründung wirtschaftlicher.
