Die Annahme, dass der Baugrund in Neubrandenburg überall gleich tragfähig ist, führt regelmäßig zu kostspieligen Verzögerungen. Gerade im Stadtgebiet wechseln sich sandige Kuppen und bindige Senken auf engstem Raum ab – ein typisches Relikt der Weichsel-Kaltzeit. Wer hier ohne eine belastbare Pfahlgründungsbemessung plant, riskiert Setzungsdifferenzen, die schon bei viergeschossigen Wohnbauten zu Rissen im Rohbau führen können. Unser Team begleitet seit Jahren Projekte in der Vier-Tore-Stadt und kennt die Tücken des lokalen Geschiebemergels: mal steif, mal fast fließfähig, je nach Wasserandrang aus der Tollense-Niederung. Deshalb setzen wir bei der Pfahlgründungsbemessung auf eine Kombination aus Drucksondierungen und ergänzenden Laborversuchen, bevor wir auch nur einen einzigen Lastfall rechnen. Die Korngrößenanalyse liefert dabei die granulometrische Basis, um die Mantelreibung realistisch abzuschätzen, und mit dem CPT-Versuch erfassen wir lückenlos die Lagerungsdichte in Tiefen, die eine Bohrung allein nicht auflösen kann.
Im Neubrandenburger Geschiebemergel entscheidet nicht allein die Pfahlspitzentragfähigkeit, sondern die realistische Abschätzung negativer Mantelreibung aus nachsackenden Auffüllungen.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Das Kontinentalklima Mecklenburg-Vorpommerns mit seinen langen, nassen Wintern und der anschließenden Frühjahrstrockenheit setzt dem Baugrund in Neubrandenburg stark zu. In den Monaten März und April, wenn der Tollensesee Hochwasser führt und der Grundwasserspiegel um bis zu 1,80 Meter ansteigt, verwandeln sich die Geschiebemergelschichten in eine zähe, plastische Masse. Eine Pfahlgründungsbemessung, die diesen jahreszeitlichen Extremzustand ignoriert, unterschätzt die erforderliche Pfahllänge schnell um mehrere Meter. Besonders tückisch sind die Randbereiche der Sanderflächen, wo unter trockenen Deckschichten oft wasserführende Feinsandlinsen lagern. Bei Rammarbeiten ohne vorherige Erkundung kann es hier zu hydraulischem Grundbruch kommen. Wir dimensionieren die Pfahlgründung deshalb stets für den ungünstigsten Lastfall 'Aufweichen plus Vollwasser', und sichern die Annahmen durch ergänzende Triaxialversuche ab, die das undränierte Scherverhalten des lokalen Mergels präzise abbilden.
Videomaterial
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), EA-Pfähle, 2. Auflage (Empfehlungen des Arbeitskreises 'Pfähle'), DIN EN 1992-1-1 mit DIN EN 1992-1-1/NA (Bemessung Stahlbetonpfähle)
Verwandte Dienstleistungen
Geotechnische Vorerkundung & Pfahlauslegung
Festlegung des Erkundungsprogramms nach DIN 4020, Durchführung von Bohr- und Sondierkampagnen sowie Ableitung charakteristischer Pfahlwiderstände. Inklusive Baugrundgutachten mit Pfahlvorschlag.
Numerische Bemessung & Setzungsberechnung
Analytische und numerische Berechnung der axialen Tragfähigkeit, Gruppenwirkung und Setzungsmulde. Berücksichtigung wechselnder Steifigkeiten, wie sie im Übergang vom Sander zum Beckenschluff auftreten.
Qualitätsüberwachung & Pfahlprobebelastung
Begleitung der Pfahlherstellung, Auswertung dynamischer Probebelastungen und Abnahme der statischen Nachweise. Sicherstellung, dass die ausgeführte Gründung den Annahmen der Bemessung entspricht.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Welche Pfahltypen sind für den Baugrund in Neubrandenburg am besten geeignet?
Im Stadtgebiet dominieren Geschiebemergel und Beckenschluffe mit teils hohem Wasserandrang. Verdrängungspfähle mit Fußaufweitung eignen sich gut, wenn unterhalb 8 Meter tragfähiger Sand ansteht. Bei mächtigen bindigen Schichten im Tollense-Einzugsgebiet setzen wir eher auf Bohrpfähle, da sie erschütterungsarm hergestellt werden können und die Mantelreibung im Mergel präziser aktivieren.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Pfahlgründungsbemessung rechnen?
Für eine belastbare Pfahlgründungsbemessung inklusive Baugrunderkundung, Laborversuchen und statischem Nachweis liegen die Kosten je nach Projektgröße und Pfahlanzahl zwischen €1.360 und €4.960. Der genaue Aufwand richtet sich nach dem erforderlichen Erkundungsumfang und der Komplexität des Schichtenprofils.
Wie tief müssen Pfähle in Neubrandenburg abgesetzt werden?
Das hängt stark vom Mikrostandort ab. In den Sandergebieten östlich des Stadtzentrums erreichen wir tragfähige Horizonte oft schon bei 6 bis 8 Metern. In der Innenstadt und nahe der Tollense kann der steife Mergel jedoch erst ab 12 oder 14 Metern anstehen. Entscheidend ist die CPT-Sondierung, die uns die genaue Tiefenlage der tragenden Schicht liefert.
Unterscheidet sich die Bemessung für ein Einfamilienhaus von der für ein Mehrfamilienhaus?
Ja, und zwar erheblich. Beim Einfamilienhaus arbeiten wir oft mit Einzelpfählen unter Stahlbetonfertigteilen, während das Mehrfamilienhaus eine Pfahlgruppe mit Interaktionseffekten erfordert. Die Gruppenwirkung reduziert den Einzelwiderstand, was in der Bemessung durch einen Gruppenfaktor nach EA-Pfähle zu berücksichtigen ist. Auch die Setzungsmulde fällt bei Gruppen deutlich breiter aus.
