In der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg begegnen uns am Baugrund häufig die Überraschungen der letzten Eiszeit. Wer hier baut, muss mit Geschiebemergel unterschiedlicher Dichte, eingelagerten Sandlinsen und tief liegenden Findlingen rechnen. Eine reine Rammkernbohrung zeigt oft nur einen Punkt, nicht das Gesamtbild des heterogenen Untergrunds. Genau hier setzt die seismische Tomographie an. Sie erzeugt ein flächendeckendes Untergrundmodell, das Diskontinuitäten, Rinnenstrukturen und die wahre Mächtigkeit des tragfähigen Mergels offenlegt. Unsere Erfahrung aus Projekten im Umfeld der Tollense und des Reitbahnsees zeigt, dass die Kombination aus Refraktions- und Reflexionsverfahren das Risiko von Fehleinschätzungen bei der Baugrunduntersuchung massiv reduziert.
Ein geophysikalisches 2D-Profil erspart oft drei falsch platzierte Bohrungen – und liefert trotzdem das vollständigere Baugrundmodell.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Neubrandenburg hat in den letzten Jahrzehnten eine beachtliche bauliche Verdichtung erlebt, oft auf Flächen, die zuvor eiszeitlich überprägt wurden. Das Problem dabei: Alte Schmelzwasserrinnen wurden im Mittelalter oder in der Neuzeit verfüllt und geraten bei konventionellen Rammkernbohrungen leicht außer Sicht. Wird eine Tiefgründung in einer solchen Rinne abgesetzt, drohen Setzungsdifferenzen, die den Rohbau binnen weniger Monate beschädigen können. Die seismische Tomographie deckt diese verborgenen Strukturen auf – und zwar bevor der Bagger rollt. Gerade im Süden der Stadt, wo sandige Vorpommersche Böden vorherrschen, ist die Kartierung von Schichtgrenzen entscheidend. Ein Investitionsschutz, der sich rechnet, lange bevor der erste Riss im Mauerwerk sichtbar wird.
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-2 (Eurocode 7, Ergänzungsnorm zu EN 1997-1:2004), DIN 4020 – Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, DIN EN ISO 17025 – Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien
Verwandte Dienstleistungen
Refraktionstomographie
Kartierung von Grundmoräne und Felshorizonten. Ideal zur Erkundung der Mergeloberkante und zur Ermittlung der Rippbarkeit nach DIN 18300. Der Energieeintrag wird je nach Erkundungstiefe mit Vorschlaghammer oder beschleunigtem Fallgewicht gewählt.
Reflexionstomographie
Hochauflösende Abbildung von Schichtgrenzen unterhalb des Grundwasserspiegels. Besonders geeignet zur Detektion von Rinnenfüllungen und setzungsempfindlichen Beckenschluffen im Stadtgebiet von Neubrandenburg.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Welche Tiefen erreicht die Seismik im Raum Neubrandenburg?
Mit Refraktionsmessungen erreichen wir in den glazialen Böden um Neubrandenburg üblicherweise 25 bis 40 Meter unter GOK. Die Reflexionstomographie kann je nach Impulsenergie und Geophonabstand auch Horizonte bis 60 Meter Tiefe auflösen. Entscheidend ist immer die zu erwartende Schichtgeschwindigkeit.
Mit welchen Kosten muss ich für eine seismische Tomographie rechnen?
Für ein typisches Refraktionsprofil von 100 bis 150 Metern Länge in Neubrandenburg bewegt sich der Aufwand je nach Zugänglichkeit und Auflösung zwischen €2.340 und €5.070. Die exakte Summe hängt von der Profillänge, der erforderlichen Messtiefe und dem Aufwand für die Störschallanalyse ab.
Stört der Stadtverkehr die seismischen Messungen?
Straßen- und Schienenverkehr erzeugen Körperschall, der die Nutzsignale überlagern kann. In Neubrandenburg führen wir die Messungen daher bevorzugt in verkehrsberuhigten Zeitfenstern durch und setzen digitale Filteralgorithmen ein, die stationäre Störsignale unterdrücken. Innerstädtische Profile erfordern etwas mehr Vorbereitung, sind aber routinemäßig machbar.
Welchen Vorteil hat die Tomographie gegenüber Bohrungen?
Bohrungen liefern punktgenaue Schichtenverzeichnisse, aber kein flächiges Bild. Die Tomographie schließt die Lücken zwischen den Aufschlusspunkten und erkennt laterale Wechsel, die eine einzelne Bohrung nicht erfassen kann. Beide Verfahren ergänzen sich ideal und sind gemeinsam nach DIN 4020 die belastbarste Basis für das Baugrundgutachten. Mehr Info.
